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Gerade hat man noch das Gefühl, es ist kürzlich Sommer geworden und schon gibt es untrügliche Zeichen des Spätsommers. Der keltische Jahresrhythmus, wo der Herbst bereits am 1. August mit dem ersten Erntefest beginnt, scheint zumindest hier für den Norden zuzutreffen.

Gestern zogen die ersten Wildgänse über den Himmel und heute folgten mit lautem Geschrei die Kraniche. Mich überkommt dabei immer eine leichte Melancholie, obwohl ich den Herbst liebe. Aber so früh? Wir haben doch erst Ende Juli. Jetzt schon Abschied nehmen von der Wärme des Sommers, dem Licht, den Farben, den Düften? Vor zwei Tagen musste ich das erste Mal seit etwa Anfang Mai wieder elektrisches Licht einschalten. Das brauchte ich den ganzen Sommer nicht, auch nachts. Wir haben zwar keine Mitternachtssonne, aber dunkel wird es trotzdem nicht. Die Tage werden definitiv kürzer, auch wenn die ersten Sterne noch nicht zu sehen sind. Und in der Luft hängt morgens und abends schon ein leicht moodriger Geruch, wie er vor allem im Herbst vorkommt.

Längere Zeit hatten wir keinen Nordwind mehr. Dieser ist in unserer Region häufig ein Zeichen für Sommer und schönes Wetter, auch wenn er kühl sein kann. Aber jetzt kommt der Wind wieder mehr aus Südwesten, was wir oft in der dunklen Jahreshälfte haben.

Die Pflanzen stellen ihr Längenwachstum ein und legen ihre Kraft in die Blütenbildung oder in die Samen. Die rötlichen Samen des kleinen Sauerampfer leuchten in der Sonne und man muss aufpassen, dass er nicht den ganzen Garten beherrscht und andere Pflanzen verdrängt. Spitz- und Breitwegerich zeigen ihre teils noch grünlichen, aber auch manche schon bräunlichen Samenstände. Die weiße Zeit des Holunders ist vorbei und manche Sträucher werden es dieses Jahr wohl schaffen, Beeren anzusetzen. Letztes Jahr blühte der Holunder bis in den September hinein aufgrund eines sehr kalten und schlechten Sommers. Dieses Jahr hoffe ich wirklich auf Holunderbeerensaft. Nur die Rosen sind noch unermütlich. Sie stehen in voller Blüte und bilden auch noch viele neue Triebe aus. Das gibt noch ein schönes Sommergefühl.

Bei dem Gedanken an Abschied vom Sommer denke ich immer an eine Geschichte von der kleinen Maus Frederik, die im Gegensatz zu den anderen Mäusen eine ganz eigene Wintervorsorge betrieben hat. Sie nahm ganz intensiv die Farben, die Wärme und Düfte des Sommers auf und wurde dafür von den anderen Mäusen oft ausgelacht. Diese waren nämlich mit der Nahrungsvorsorge für den Winter so beschäftigt, dass sie sich keine Zeit nahmen, den Sommer zu genießen. So hasteten sie durch die Tage und der Winter kam. Dann konnte Frederik ihnen mit seinen Erzählungen den Sommer zurück in die Herzen bringen. So versuche auch ich zwischendurch immer etwas mehr Frederik zu sein und den Sommer trotz viel Arbeit in mich aufzunehmen. Denn eines ist gewiss, so sehr mich die Wildgänse und Kraniche an den Abschied des Sommers erinnern, so gerne habe ich auch die Herbststimmung hier im Norden und die langen Abende am Kamin. Und wenn ich dann von meinem kleinen Hügel aus das erste Nordlicht sehe, bin ich mit den Jahreszeiten auch wieder versöhnt und im Einklang.

 

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